Lehrformate Constance Richter
 
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Limitierte Aufnahmekapazität – Limited Capacity

Die zweite Annahme der kognitiven Theorie besagt, dass der Arbeitsgedächtnisspeicher eine begrenzte Kapazität hat. Das Arbeitsgedächtnis kann nur limitiert Wissen verarbeiten und so können nur wenige auditive und visuelle Informationen dort aufbewahrt werden (vgl. Mayer, 2005a, 2001). Jedoch wie begrenzt ist die Aufnahmefähigkeit und wie viele Informationen können tatsächlich pro Kanal gleichzeitig verarbeitet werden?

George Miller publizierte bereits 1956, dass das menschliche kognitive System lediglich 7 ± 2 Elemente gleichzeitig aufnehmen kann (Clark, Nguyen & Sweller, 2006; Miller, 1956; Niegemann et al., 2004). Die klassische Methode, um die Gedächtnisspanne tatsächlich zu messen, ist der memory span test. Beispielsweise soll eine Testperson eine sekundenweise vorgelesene Zahlenreihe „8-7-5-3-9-6-4“ in umgekehrter Reihenfolge wiedergeben. Die längste Liste, die die Testperson fehlerfrei wiedergeben kann, ist ihre Gedächtnisspanne für Ziffern (digit span).

Wie für das auditive sensorische Gedächtnis (auditory sensory memory) gibt es einen vergleichbaren Test für das visuelle sensorische Gedächtnis (visual sensory memory). Der Testperson werden sekundenweise verschiedene Zeichnungen vorgelegt „Mond-Bleistift-Kamm-Apfel- Stuhl-Buch-Schwein“, die die Testperson ebenso in umgekehrter Reihenfolge wiedergeben soll. Die längste fehlerfrei wiedergegebene Kette beschreibt die Gedächtnisspanne für Bilder (picture span). Millers Forschungen haben ergeben, dass die Probanden zwischen fünf und neun Zahlen oder Bilder fehlerfrei wiedergeben konnten und hat damit belegt, dass das Arbeitsgedächtnis eines Menschen 7 ± 2 Informationseinheiten gleichzeitig verarbeiten kann (Niegemann et al., 2004).

Da unser Arbeitsgedächtnis somit nur begrenzt Informationen aufnehmen kann, ist Lernen mit kognitiver Belastung verbunden. Davon geht auch Chandlers und Swellers Cognitive-Load-Theory (CLT) aus. Je niedriger die kognitive Belastung ist, umso besser kann gelernt werden. Die kognitive Belastung setzt sich aus drei additiven Komponenten zusammen (vgl. Clark, Nguyen & Sweller, 2006; Sweller, 2005a; Niegemann et al., 2004; Chandler & Sweller, 1991):

  • Intrinsische Belastung: Komplexität des Lerninhalts (intrinsic cognitive load) Wie schwierig oder vernetzt sind die Lerninhalte?
  • Extrinsische Belastung: Darstellungsart der Lerninhalte (extraneous cognitive load) Wie einfach oder schwer ist es, die relevanten Informationen aufzunehmen?
  • Lernbezogene Belastung: Verstehensförderliche Aktivität des Lernenden (germane cognitive load oder effective cognitive load)

Die drei additiven Komponenten der kognitiven Belastung

Die drei additiven Komponenten der kognitiven Belastung (vgl. Seufert, Leutner & Brünken, 2004)

Bei der Konzeption und Gestaltung von multimedialen Lerninhalten sollte immer das Ziel verfolgt werden, die intrinsische Belastung verarbeitbar zu gestalten, die extrinsische Belastung zu reduzieren und die lernbezogene Belastung zu fördern. Wird die extrinsische Belastung reduziert, kann die dadurch freiwerdende Kapazität im Arbeitsgedächtnis für die lernbezogene Belastung eingesetzt werden. Die extrinsische Belastung spielt jedoch nur eine Rolle, wenn die intrinsische Belastung hoch ist. Ist die intrinsische Belastung gering, ist die extrinsische Belastung nahezu irrelevant (vgl. Sweller, 2005b).

Letzte Änderung 11.06.2009